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Das Wappen von Bremen

Das Rathaus in Bremen

Das Wappen von Bremen Das Rathaus in Bremen
Einwohner: 539.403 (Stadt Bremen)
Fläche: 327 km² (Stadt Bremen)
Postleitzahl: 28195 Website ansehen

 

Über die Anfänge der Stadt Bremen lassen sich nur Vermutungen anstellen. Wann hier, im inneren Bereich des alten Stadtgrabens, zuerst gesiedelt wurde, darüber ist nichts wirklich verbürgt. Daß aber im erweiterten Umfeld schon sehr früh Menschen gewohnt haben, davon gibt es viele Spuren. Steinzeitmenschen aus der Zeit um 150 000 v. Chr. hinterließen bei Lehringen im Kreis Verden im Skelett eines Ur-Elefanten eine 2,40 m lange Lanze aus Ebenholz. Schaber und Spitzen aus Stein wurden im Kies der Weser gefunden, Rastplätze von Menschen aus der Späteiszeit vor ca. 10-12 000 Jahren bei Wildeshausen. Großsteingräber aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. finden sich bei Osterholz-Scharmbeck, Wildeshausen, Kleinenkneten und Rekum, Urnenfelder aus der Zeit ab 1 250 bis zum 8.Jahrhundert v. Chr. im gesamten Küstengebiet. 1885 holte ein Bagger einen römischen Stieltopf aus der Weser, ein römischer Messingeimer fand sich 1890 in der Kleinen Weser, 1928 stieß man in der Lesum auf einen Kammhelm aus Bronze, der gleichfalls aus dieser Völkerwanderungszeit stammen dürfte.

Im zentralen Stadtgebiet Bremens aber wurde bisher nichts gefunden, was mit Sicherheit auf eine sehr frühe Besiedelung hindeuten würde. Erst aus schriftlichen Überlieferungen der Römer wurde bekannt, daß der an der Unterweser siedelnde Stamm der germanischen Chauken oder Hauken, die auf Wurten siedelten, einige Jahre lang von Kaiser Augustus ( um die Zeitenwende) unterworfen worden war. Wo die Chauken geblieben sind, ist unbekannt. Wahrscheinlich haben sie sich mit den seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. aus Holstein vordringenden Sachsen vermischt, die hier in den nächsten Jahrhunderten die Führungsschichten bilden sollten.Eine Siedlung, welche die Bezeichnung Stadt verträgt, gab es wahrscheinlich nicht, obwohl Historiker immer wieder Theorien darüber aufgestellt haben. Auch Sagen darüber, z. B. von der Gluckhenne, werden von Generation zu Generation weitererzählt. Eher gab es kleine Ansiedlungen zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert, wie sie in Hemelingen, Mahndorf, Grambke und Rekum gefunden und ausgegraben wurden.Die 26 km lange, sich am rechten Weserufer entlangziehende Düne eignete sich vortrefflich zur Besiedelung und für die Anlage von Verkehrswegen. Sie verbindet zwei Geestflächen miteinander.

Im Nordwesten eine bei Lesum und im Südosten eine andere bei Achim. Selbst bei starkem Hochwasser lag sie weitgehend trocken und dort, wo heute das Zentrum der Stadt Bremen liegt,führte sie so nahe an das Ufer der Weser heran, daß eine Überquerung mittels Fähre oder einer Furt möglich gewesen sein muß. Die Weser verlief hier in mehreren Armen, zwischen denen Inseln entstanden, die durch Furten miteinander verbunden waren. Ein Nebenarm, die Balge, umfloß ein Gebiet, das später das Tiefer- und Martiniviertel aufnahm. Der Name Balgebrückstraße erinnert noch immer an den längst zugeschütteten Weserarm. In der Balgemündung wurde 1925 ein versilberter Spangenhelm aus derVölkerwanderungszeit (4.-5. Jahrhundert n. Chr.) gefunden, 1862 in der Baugrube der alten, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Börse am Markt (wo heute das Bürgerschaftsgebäude steht) Urnen, und beim Bau eben dieses Bürgerschaftsgebäudes 1963 eine Feuerstelle, in der noch ein Topf steckte. DieUmbauarbeiten im Dom förderten alte Scherben zu Tage. Die Datierungen all dieser Gegenstände sind jedoch unsicher und können nicht ohne weiteres mit einer sehr frühen, dauerhaften Besiedelung in Zusammenhang gebracht werden.

Flurbezeichnungen sind oftmals sehr alt und geben Hinweise. Das könnte auch für den Namen Bremen gelten, obwohl es hier wiederum unterschiedliche Theorien gibt. Interessant ist eine Ableitung aus der ältesten Form Bremun, lateinisch Brema und Bremae, lokativer Dativ des Plurals Brem, was an den Rändern oder Singular am Rande bedeutet. Lag da ein Flurstück oder eventuell doch eine Siedlung am Rande der Düne? Heute wissen wir es noch nicht, aber vielleicht taucht noch einmal ein ernstzunehmender Beweis auf.

Mit der Expansion des Frankenreiches unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert trat auch Bremen in das Licht der Geschichte. Die Sachsen hatten sich bis dahin weitgehend allen Christianisierungsbemühungen entzogen und standen so den Plänen Karls im Wege. Da Wildeshausen im Zentrum des Machtbereichs des aufständischen sächsischen Herzogs Widukind lag, marschierten Karls Truppen bis an die Weser und unterwarfen in mehreren blutigen Kriegszügen die dort ansässigen Stämme. Um die eroberten Gebiete zu sichern und um die dortigen Bewohner zu christianisieren, wurden Grafen als Verwaltungsbeamte eingesetzt und Kirchenmänner als Bischöfe. Einer dieser Bischofssitze wurde Bremen. Die erste Erwähnung des "locus" Bremen erfolgte in der 860 n. Chr. verfaßten Lebensgeschichte des Bischofs Willehad. Dort wird erwähnt, daß der Priester Gerwal und andere im Jahre 782 n. Chr. von den Einwohnern erschlagen worden seien.

Die Stiftungsurkunde der Bistumsgründung von 788 als zweite Urkunde der Existenz Bremens entpuppte sich später als eine Fälschung. Damit ist zweifelhaft, ob Willehad am 1. November 789 wirklich eine hölzerne Kirche, die Vorläuferin des St.- Petri-Doms, auf der höchsten Erhebung der Düne errichten ließ. Unbestritten ist, daß vermutlich 858 der erste Dom von dänischen Wikingern zerstört und danach durch einen steinernen ersetzt wurde und daß Bremen zwischen 787 und 849 zum Sitz des Erzbischofs erhoben wurde. Kaiser Otto I. (der Große) verlieh am 10. August 965 an Bremen (d. h. an den Erzbischof) das Marktrecht mit Marktzoll, Münzrecht und Marktgericht.

Will man sich eine Vorstellung von dem Ort Bremen in dieser Zeit machen, so bleibt vieles Vermutung; das ist auch der Grund dafür, daß von den Historikern mehrere Auffassungen entwickelt wurden. Am wahrscheinlichsten ist folgende: Als Willehad nach Bremen kam, war der Ort noch recht klein und erstreckte sich an der Südseite der Düne etwa auf der Höhe der späteren Obern-/Langenstraße bis hin zur Domsheide. Die wenigen bäuerlichen Anwesen lagen damit nahe dem Ufer der Balge, dem wichtigsten Nebenarm der Weser, der wahrscheinlich als Schiffsanlegestelle benutzt wurde. Die Balge war damals ein breites und tiefes Gewässer, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie vormals, als die Weser noch oft ihr Bett wechselte, zeitweise der Hauptstrom gewesen ist. Die in jener Zeit gebräuchlichen Schiffe hatten nur einen geringen Tiefgang und landeten am flachen Ufer. Ein solches Schiff aus dem Jahre 808 wurde Ende der achtziger Jahre des 20. Jh. bei Bauarbeiten Ecke Wachtstraße/Martinistraße gefunden. Wenn es im sumpfigen Umland bereits Siedlungen gegeben hatte, so waren diese durch eine Klimaverschlechterung und durch Vordringen der Nordsee mit zeitweiligen Überschwemmungen bereits wieder aufgegeben worden.

Die meisten Bewohner lebten subsistent von der Landwirtschaft, insbesondere von der Vieh- und Weidewirtschaft und etwas Feldfruchtanbau, vom Fischfang oder in Ausnahmefällen vom Durchgangsverkehr (Handel mit Lebensmitteln, Dienstleistungen), in noch sehr geringerem Maße und stets ausschließlich in Verbindung mit der Landwirtschaft, vom Handwerk.In Bremen gab es an einer unbekannten Stelle eine Fähre oder Furt, und die war für die Franken wegen ihrer strategischen Lage von Bedeutung: sie beherrschte den Weserübergang und die am Dünenrand entlangführende Straße, war verhältnismäßig leicht zu verteidigen und erlaubte auf der Dünenhöhe die Anlage von Befestigungen. Die Kirchenorganisation begab sich in der unsicheren Zeit der Sachsenkämpfe zunächst unter militärischen Schutz, und so entstand der Dombezirk mit eigenen Wällen, Gräben, Mauern und Toren als Domburg innerhalb einer vermutlich militärischen Befestigungsanlage. Auch als in den nächsten Jahrhunderten diese gesonderten Befestigungen wegfielen, blieb der geschlossene geistliche Bezirk aus dem Rechtskörper der Stadt ausgeschlossen und bildete eine kirchliche Immunität. Zuständig war zunächst also der fränkische Militärkommandant, bis der König 937 seinen, von der sächsischen Vorbevölkerung konfiszierten, Grundbesitz in Bremen an den Erzbischof übertrug. Erst in diesem Jahr wurde die Kirche somit der eigentliche "Herr im Orte".

Vom Bistum Bremen gingen später wichtige Impulse aus, besonders unter den Bischöfen Ansgar, Adaldag und Adalbert. Ein nicht unerheblicher Teil Skandinaviens und der slawischen Ostseegebiete wurden von Bremen aus christianisiert. Die Bürger der Stadt scheinen das Treiben der hohen geistlichen Herren im Dom und ihrer Schergen nicht immer als segensreich empfunden zu haben, denn zwischen beiden Gruppierungen bestanden über die Jahrhunderte hinweg immense Spannungen. Wie aber sah die Zeit vor den Franken aus? Eine eingängig aber weitgehend unbewiesene Hypothese besagt, daß römische Schiffe von der Rheinmündung aus bereits vom 1. bis 4. Jh. die sächsischen Siedlungen im Wesergebiet besucht haben müssen. Ausgegrabene römische Gefäße, bronzene Kasserollen, Waffen und Münzen lassen auf eine mehr oder weniger rege Handelstätigkeit schließen. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches übernahmen dann die in der Rheinmündung lebenden Friesen mit ihren bereits seetüchtigen Schiffen die Funktion der römischen Händler. Diese friesischen Wanderhändler fuhren nur in den offenen, warmen Zeiten hinaus, den Rest des Jahres verbrachten sie auf ihren festen bäuerlichen Besitzungen. Neben ihren eigenen bezogen sie Waren von den Erben Roms, den Franken, und sogar aus England und vertrieben diese entlang der Küste der Nordsee bis weit in die germanischen Flüsse hinein. Ein ausgebautes Straßennetz existierte damals noch nicht. Über die Oberweser reichte der Einfluß der Thüringer bis nach Bremen. Fundstücke aus beiden Kulturen wurden in den ausgegrabenen Siedlungen auf der Düne entlang der Weser gefunden. Die Fernhändler konnten natürlich nicht jede sächsische Ansiedlung einzeln aufsuchen, sie benötigten geeignete Stellen als zentrale Marktplätze. Ein solcher Platz bot sich dort an, wo an ruhigen Seitenarmen eines Stroms mit seichten Ufern nicht überschwemmungsgefährdete Stellen vorhanden waren, an denen vom Boot aus die Waren präsentiert werden konnten oder aus den direkt vor den Schiffen auf dem trockenen Strand aufgebauten Buden bzw. Zelten.

Das Ufer der Balge bot solche Voraussetzungen, zumal dieser Ort fast in der Mitte der von Achim bis nach Lesum reichenden Düne lag, auf der ein Weg die vorhandenen Siedlungen miteinander verband. Von der acht Kilometer entfernt liegenden Huchtinger Geest aus konnte der Umschlag- und Austauschplatz über Furten zwischen den Weserinseln vom linken Ufer aus erreicht werden. Es darf deshalb angenommen werden, daß ein Handelsplatz bereits lange vorhanden war, als Bremen durch schriftliche Belege in das Licht der Geschichte eintrat. Aufgrund der Zentralisierung durch die Existenz des Domes steigerte sich dessen Bedeutung. Pilger von weit her besuchten die Stadt und bildeten ein gewisses Käuferpotential. Luxuswaren aller Art fanden ihren Weg nach Bremen und hier fast ausschließlich an den Hof des Erzbischofs, wo sich ständig Delegationen aus anderen Missionsgebieten aufhielten. Im Gegenzuge fanden die Fernhändler Schutz vor Überfällen in der Domburg oder durch die Soldaten des fränkischen Grafen in Lesum.

Im Laufe des neunten Jahrhunderts gaben Fernhändler ihre bäuerlichen Existenzen auf, widmeten sich ganzjährig ihrem kaufmännischen Beruf als Fernhändler und siedelten sich fest an bestehenden Marktplätzen an. Ihre bisherigen Verkaufsstände am Ufer bauten sie zu festen Häusern aus. So entstand auch in Bremen entlang der Balge, im Bereich der Langenstraße außerhalb des Dombezirks, eine friesisch-sächsische Händlersiedlung als Keimzelle für die sich entwickelnde Stadt.

Am Bischofssitz in Bremen konsolidierte sich langsam die kirchliche Organisation; die Geistlichkeit formierte sich zum Domkapitel. Der Dombezirk erhielt von 1013 bis 1029 neue Befestigungen, die zwischen 1032 und 1043 durch eine feste Mauer aus Stein verbessert wurden. Noch immer bestand die Gefahr von Normannenüberfällen. Die außerhalb liegende, aus Stein erbaute St.-Veits-Kapelle (später Unser Lieben Frauen Kirche) erhielt Pfarrechte. Kontakte zu den nordischen Königreichen, insbesondere zu Dänemark, förderten die eigentliche Aufgabe des Erzbistums, nämlich die christliche Mission. Der Unterhalt der Geistlichen, der Neubau von Kirchen, von Befestigungen, die erweiterte Mission und nicht zuletzt die aufwendige Lebensführung der weltlichen Erzbischöfe machte jetzt größere finanzielle Einnahmen nötig. So fühlten sich die Domherren gezwungen, durch den Erwerb weiteren Grundbesitzes ihre Macht und das Ansehen des Erzbistums zu stärken. 1041 zerstörte ein Feuer sowohl den Dom als auch die Stiftsgebäude, doch der aus Köln stammende Erzbischof Benzelin begann sofort damit, das Kirchengebäude nach dem Vorbild des Kölner Doms wieder aufzubauen. Sein Nachfolger Adalbert führte den Bau ab 1043 weiter, nahm sich jedoch die Kathedrale von Benevent in Italien zum Vorbild. Da im Bremer Umland Steine schwierig zu beschaffen waren, ließ er dafür die im Bau befindlichen neuen Gebäude des Domstifts und die Befestigungsmauer wieder abreißen. 1049 wurde die Vorderfront des Doms fertig, aber erst 1066 konnte die Westkrypta geweiht werden.

Bei seiner Gründung war das Bremer Bistum vom Kaiser nur mit einer geringen Fläche Landes ausgestattet worden. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts profitierte das Erzbistum von Schenkungen aus adligem Besitz. Hier ist vor allem das westfälische Geschlecht der Immedinger, aus dem Erzbischof Unwan stammte, und die Gräfin Emma von Lesum zu nennen. Doch schon bald bemühte man sich um die fast unbewohnten Brüche und Moore in der weiteren Umgebung und um den Besitz ganzer Grafschaften. Ursprünglich wurden Grafen vom Kaiser als Verwaltungsbeamte eines bestimmten Gebietes eingesetzt. Durch die besondere Entwicklung des Lehnswesens wurde der Einfluß des Kaisers/Königs jedoch ständig zurückgedrängt, und die Verwalter begannen, ihre Ämter als erbliches Eigentum anzusehen. Es entstand ein Flickenteppich kleiner und kleinster Herrschaften, die meistens die Namen ihrer Besitzer trugen. Unentwegt waren nicht nur der Erzbischof in Bremen, sondern auch die Grafen darauf bedacht, ihren Besitz zu mehren und ihre Machtbereiche auszuweiten. Streitigkeiten waren deshalb vorprogrammiert.

Zwischen 1032 und 1034 erhielt der Erzbischof Hermann von Kaiser Konrad II. einen Forst mit Jagdrecht im Eyterbruch geschenkt. 1049 erweiterte Heinrich III. diesen Besitz durch eine Schenkung an Erzbischof Adalbert, der 1063 vom minderjährigen Heinrich IV., dessen Erzieher er war, weitere Ländereien, darunter das Huchtinger, Brinkumer und Weyher Bruch sowie einige nördlich von Bremen gelegene übertragen bekam. Ein Teil dieser Ländereien befand sich im Einflußbereich des Billunger Grafen Bernhard, der dadurch alle vom Reiche zu Lehen erhaltene Besitztümer: Hörige, Gebäude, Wiesen, Äcker, Gewässer, Brücken, Mühlen, Fischteiche, Märkte, Münzen, Steuern und Zölle verlor. Ein anderer Teil wurde dem Grafen Udo von Stade abgenommen. Auch die Herrschaft Lesmona (Lesum), die Bremer und Lechter Insel sowie Bruchlandschaften und Marschen am linken Weserufer und das Jagdrecht im Wichmodigau fielen dem Erzbischof zu. Die durch solche Schenkungen wirtschaftlich geschwächten Grafen gerieten verständlicherweise nicht nur in Opposition zum Kaiser, sondern auch zum Erzbistum. Dort wo nicht gesamte Grafschaften verlustigt gingen, sondern nur einzelne grafschaftliche Ländereien, wurde durch Verleihung der kirchlichen Immunität die Gerichtsbarkeit und die Besteuerung dafür auf das Erzbistum weitergegeben.

Bewirtschaftet wurden die Kirchengüter durch Edelleute als Vasallen des Erzbistums. Dazu gehörten u. a. die Grafen von Bruchhausen. Um aus Mooren und Brüchen neue Einnahmequellen durch Pachtzins und Zehnten zu gewinnen, mußte das Land zunächst urbar gemacht werden, was später durch die Ansiedlung von in Entwässerung und Deichbau erfahrenen Holländern im besonderen Maße gelang. Der Hochadel in Norddeutschland, besonders jedoch die aus einem alten sächsischen Herzogsgeschlecht stammenden Billunger, denen die meisten Grafschaften in der näheren Umgebung der Stadt Bremen gehörten, sowie die Grafen von Stade bildeten eine mächtige Opposition gegen den Erzbischof. 1064 zog in dessen Abwesenheit der Herzog Hermann nach Bremen und plünderte die Stadt. Als Adalbert 1066 vom Hofe des Königs Heinrich IV. nach Bremen zurückkehrte, mußte er dem Herzog große Zugeständnisse auf Kosten des Erzbistums machen. Weil der Erzbischof jedoch auch am Hofe des Königs in Ungnade gefallen war, gingen viele vorher erworbene Rechte wieder verloren. Adalbert war gezwungen, höhere Marktzölle zu erheben und mit aller Schärfe einzutreiben. Die Stadt geriet in große Not. Der Domscholaster Adam berichtete in seinem 1076 erschienen Buch Taten der Bischöfe der Hamburger Kirche, daß die Kaufleute den Markt mieden, und daß allgemeine Armut herrschte.

Bereits unter den direkten Vorgängern Adalberts hatte sich eine wirtschaftliche Blüte rund um den Ufermarkt in Bremen eingestellt. So geht auf Kaiser Konrad II. seit dem 16. Oktober 1035 das Recht zurück, jährlich in der Stadt einen Freimarkt abzuhalten. Zu Adalberts Amtszeiten steigerte sich noch das verschwenderische Leben am Hofe des Erzbischofs, und die "vielen Händler aus aller Herren Länder" mit ihren fernöstlichen Luxusgütern profitierten davon. Als die politischen Ziele Adalberts, Bremen zu einem Rom des Norden zu machen, scheiterten, brach das Wohlleben für die Stadt in sich zusammen.

Um 1100 war Deutschland immer noch ein Agrarland. Außer im Rheinland gab es keine selbstbewußte städtische Tradition. Die Kirche beanspruchte wichtige Marktorte in einem sich verdichtenden Wirtschaftsraum als einen Teil ihrer Grundherrschaft. Jedoch begannen Handel und Gewerbe in einer stärkeren Differenzierung Impulse für die Stadtwerdung mit einem freien Bürgertum zu geben. 1106 schloß Erzbischof Friedrich einen Vertrag mit holländischen Kolonisten, die wahrscheinlich das Hollerland östlich von Bremen urbar machen sollten. Diese Siedler brachten die notwendige Erfahrung mit Entwässerung und Deichbau aus ihrer alten Heimat mit. Das von ihnen bearbeitete Land sollten sie erblich erhalten, als Zins bezahlten sie eine Anerkennungsgebühr von einem Pfennig. Der Zehnte jedoch bestand in der jeweils ersten von zehn geernteten Gaben beim Getreide, dem ersten von jeweils zehn aufgezogenen Schweinen, Schafen, Ziegen, Hühnern, von Enten und von Gänsen, aus Eiern, aus Käse, aus Feldfrüchten und Bienenstöcken. Die Abgaben für Jungvieh mußten in Geld geleistet werden.

In den Jahren 1142-1149 wurde auf der linken Weserseite, südlich der Hunte, das Stedinger Land besiedelt. 1158 genehmigte Kaiser Friedrich Barbarossa die Urbarmachung des Weyher, Brinkumer und Huchtinger Bruchs. 1171 begann Friedrich von Machtenstede mit Erlaubnis des Erzbischofs mit der Besiedelung des Sumpflandes zwischen Brinkum und Huchting nach Holländerrecht. 1181 folgten das östliche Hollerland und das Blockland. Um die Jahrhundertwende wurde endlich das Neuenland dauerhaft erschlossen. Auf diese Weise wurde innerhalb eines Jahrhunderts das gesamte Umland Bremens planmäßig mit neuen Bauernstellen besiedelt. Ältere Gemarkungen wie z. B. Arsten, Kirchweyhe, Brinkum, Huchting oder Hasbergen erweiterten sich. Neue Kirchspiele wurden gegründet in Horn, Oberneuland, Wasserhorst, Süderbrok/Altenesch, Bardewisch und Berne. Mit dem raschen Bevölkerungswachstum erhielt Bremen jetzt das wirtschaftlich reiche Hinterland, das bisher gefehlt hatte. Landwirtschaftliche Überschüsse flossen in die Stadt, wurden dort gelagert, veredelt und gehandelt. Von weit her anreisende Händler fanden jetzt auch außerhalb des Hofes des Erzbischofs Bedürfnisse und Kaufkraft vor, die sie mit ihren Luxusgütern bedienen konnten. Damit entwickelte sich Bremen zum Oberzentrum für den gesamten Raum, das seit 1157 mit einem Schutzwall umgeben war.

Parallel zu der bäuerlichen Bevölkerung in den Flußmarschen und der Seßhaftwerdung der Fern- oder Wanderkaufleute entlang der Balge entwickelten sich auch spezifiziertes Handwerk und Gewerbe größeren Ausmaßes auf der Dünenplatte nördlich der Kaufmannssiedlung und westlich der St.-Veits/Unser Lieben Frauen Kirche. In den Straßennamen tauchen Berufsbezeichnungen auf: Hutfilter-, Kramer- oder Hakenstraße. Durch Zuwanderung wuchs die Stadt. Der Platz entlang des nördlichen Balgeufers wurde knapp, und es begann eine Nutzung des Südufers. Auf der Stephansdüne, weiter westlich des Marktplatzes, entstand ein neuer Siedlungskern, der ab 1139 als Wilhadi-Stephani-Kapitel neben der der Liebfrauenkirche ein weiteres eigenes Kirchspiel bildete. Östlich vor der Stadt hatte kurz zuvor der Ministeriale Thrutbert das Paulskloster gegründet.Daß der Ort Bremen bereits Mitte des Jahrhunderts eine gewisse Bedeutung besaß, belegt eine Überlieferung, nach der 1147 Pilger aus Westfalen und aus Niedersachsen von hier aus per Schiff zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land aufbrachen.1186 erkannte Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Gelnhauser Privileg die Stadt Bremen als politische Körperschaft an. Sie unterstand damit dem Kaiser unmittelbar, der ihren Schutz und die Rechte der Bürger garantierte.

Der Beginn einer kommunalen Selbstverwaltung liegt im Dunkeln. 1139 beteiligten sich "civis Bremenses" bei der Gründung der Wilhadi-Stephanipropstei, und als im gleichen Jahr Albrecht der Bär auf einem Gerichtstag in Bremen sich huldigen ließ sowie Anspruch auf das Herzogtum Sachsen erhob, traten Bremer Bürger als aktive politische Gruppe auf. In weiteren Urkunden werden ab jetzt Namen von Familien genannt, die in Zukunft Mitglieder des Rates der Stadt stellen sollten. Als handelnde Körperschaft trat die Bürgergemeinde erstmals 1159 auf. Sie verlangte damals vom Erzbischof, die genauen Grenzen der Bürgerweide festzulegen, ein Wunsch, den dieser erfüllte. 1167 versuchten die Bürger Bremens sich der drückenden Herrschaft Heinrichs des Löwen dadurch zu entziehen, daß sie dem Grafen Christian von Oldenburg huldigten. Fünf Tage lagen sich die Soldaten des Herzogs Heinrich und des Grafen Christian am Fluß Gete beim Dorf Hastedt gegenüber, bis sich Christian zurückziehen mußte und Heinrich in die Stadt einzog. Als Strafe für ihre Abtrünnigkeit belegte er die Bürger mit einer Geldstrafe von 1000 Mark; einer Summe, die auf bereits bestehenden Wohlstand der Bestraften schließen läßt. Bis zur Absetzung Heinrichs des Löwen 1180 hielten sich die politischen Möglichkeiten der nachfolgenden, abhängigen Erzbischöfe und der Stadtgemeinde Bremen, bestehend wahrscheinlich aus den Vorstehern des städtischen Schwurverbandes "coniuratio", als Ansprechpartner für den Herzog oder für den von ihm eingesetzten Stadtvogt in engen Grenzen. Die harte Herrschaft Heinrichs scheint jedoch den Trotz der Bürger herausgefordert und den Emanzipationswillen gestärkt zu haben. Die führende Rolle übernahm dabei eine wirtschaftlich potente Kaufmannsschicht. 1181 verzichtete der Erzbischof Siegfried auf Abgaben, die von Kaufleuten für das Anlegen von Schiffen erhoben wurden. Die Urkunde wurde auf die "universitas civitas" ausgestellt, ein Beweis, daß zu dieser Zeit auch der Erzbischof die Stadtgemeinde als bestehende Institution bereits anerkannte.

Die Bremer Erzbischöfe beteiligten sich an der großen Politik. 1144 begann der Streit Adalberos mit Heinrich dem Löwen um die Erbschaft der Grafen von Stade. Nachdem Adalbero gefangen genommen worden war, mußte er 1145 seinen Anspruch aufgeben. Der Nachfolger, Erzbischof Hartwig I., stritt gleichfalls mit Heinrich und schlug sich 1154 auf die revoltierende Seite einer sächsischen Adelspartei und verlor durch königlichen Spruch alle Regalien. Heinrich beherrschte jetzt das Bremer Erzstift und die Stadt. 1155 hielt er als Obervogt auf dem Wilhadimarkt einen Gerichtstag ab, wo er gemäß Überlieferung einige Rüstringer Friesen züchtigen ließ. Als seinen Beauftragten setzte er einen Stadtvogt mit Namen Adolf von Nienkerken ein. Die nächsten Erzbischöfe waren bis zu dessen Absetzung weitgehend abhängig vom Löwen. Als dieser 1189 aus seinem englischen Exil zurückkehrte, nahm Erzbischof Hartwig II. sofort wieder Partei für ihn. Die Entscheidungsschlacht fiel jedoch zu Gunsten von Kaiser Barbarossas Sohn Heinrich VI. aus, und Hartwig mußte nach einer offenen Revolte aus Bremen nach England fliehen. Von seinem Amt wurde er vorübergehend bis 1194 abgesetzt, die erzbischöflichen Einkünfte fielen an die Bürger der Stadt. Um ihre enge Verbundenheit mit dem Kaiser zu dokumentieren, beteiligten sich Bremer Schiffe 1189 am 3. Kreuzzug nach Akkon. Hier stellten Bremer und Lübecker Koggen Segel für Lazarettzelte zur Verfügung, was zu der Vorstellung führte, Bremer und Lübecker seien die Stifter des Deutschen Ritterordens gewesen. In den Auseinandersetzungen zwischen Welfen und Staufern konnte die Stadt nicht nur ihre Privilegien erhalten, sondern sogar ausbauen. Auch gelang es ihr, sich weitgehend von der Herrschaft des Erzbischofs zu lösen.

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