Interessantes zu Rückingen

Das Wappen von Rückingen

Das Kohortenkastell nahe Rückingen

Das Wappen von Rückingen Das Kohortenkastell nahe Rückingen
Einwohner: 12.345 (Erlensee) Fläche: 19 km² (Erlensee)
Postleitzahl: 63526 Website ansehen

 

Da Rückingen zu der Gemeinde Erlensee gehört, gebe ich hier die Informationen über die Gemeinde Erlensee wieder.

Wenn auch Erlensee historisch gesehen ein recht junger Ort ist, so können die Vorgängergemeinden, Langendiebach und Rückingen, die sich am 1. Januar 1970 zur Gemeinde Erlensee zusammengeschlossen haben, doch auf eine recht traditionsreiche Geschichte zurückblicken.

Beide Ortsteile werden erstmals um 1200 n. Chr. in Urkunden erwähnt (Rückingen 1173, Langendiebach 1226). Bodenfunde belegen allerdings, daß schon vor dieser Zeit Menschen hier lebten. So gibt es einige Befunde aus der Jungsteinzeit und während der Römerzeit (ca. 100 bis 260 n. Chr.) befand sich in Rückingen ein Kohorten-Kastell mit etwa 500 Soldaten aus Dalmatien und in Langendiebach ein kleineres Sperr-Kastell zur Sicherung des großen römischen Grenzwalls, "Limes", der auch durch unsere Gemeinde lief.

Für das Mittelalter gibt es für die Besiedlung unserer Heimat wenig Zeugen, nur die Ortsnamen auf -"bach" und -"ingen" weisen evtl. auf eine fränkische Gründung hin. Wahrscheinlich ist Langendiebach älter als Rückingen (Grabungsfunde).

Hatten Langendiebach und Rückingen im Hohen Mittelalter durch kirchliche und politische Strukturen gewisse Gemeinsamkeiten (Gericht, Kirchenherren, Markwald), so entwickelten sich beide Gemeinden im späten Mittelalter und in der darauffolgenden Neuzeit völlig verschieden, was man noch teilweise heute am Ortsbild erkennen kann.
Während die Rückinger in unmittelbarer Nähe ihrer Herren, den Herren von Rückingen und Rüdigheim, lebten und arbeiteten, saßen die Herren von Langendiebach, die Ysenburger, in der Regel weiter weg auf der Ronneburg, in Büdingen, Langenselbold oder Birstein. So gibt es in Rückingen noch heute die Wasserburg der Rückinger Herren von 1569, ebenso das "Schlößchen" von 1564, während der eigentliche Herrenhof, kurz nach 1405 erbaut, allerdings kurz vor dem 1. Weltkrieg abgerissen wurde.

An ein ebenfalls vorhandenes Schlößchen in Langendiebach erinnert nur ein Wappenstein von 1613. Diese Zweigstelle der Ysenburger war schon 1859 abgerissen worden. Eine eigene Herrschaft hatte sich hier nicht begründet. Die Befestigungsanlage in Langendiebach, die wohl aus dem 15. Jahrhundert stammt, weist sicher auf eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung des Ortes (Steuerlisten, Einwohnerverzeichnis) hin.
Die ehemaligen Wappen der beiden Gemeinden bestätigen ebenfalls den oben dargestellten Sachverhalt: Rückingen hatte das Wappen der Rückinger Herren, während Langendiebach neben der stilisierten Fallbach die schwarzen Balken der Ysenburger auf seinem Wappenschild trug. Diese Eigenständigkeit der Rückinger ist auch nach der Reformation erkennbar: Rückingen wurde lutherisch, während Langendiebach dem strengeren Protestantismus beitrat.

Beide Gemeinden mußten in den großen Kriegen der beginnenden Neuzeit, dem Dreißigjährigen Krieg und den napoleonischen Kriegen sehr leiden, da jeweils wichtige Truppenbewegungen durch unsere Orte gingen, was Plünderung, Brände, Vernichtung und Ansteckung durch Krankheiten bedeutete, so daß die Gemeinden fast völlig entvölkert wurden (Kirchenbücher!).

Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich mit der Industrialisierung auch in unserer Gegend einige kleine Handwerks- betriebe, die sich mitunter zu Großbetrieben ausdehnten (Brüning´sche Zigarrenkistenfabrik mit bis zu 350 Beschäftigten!).
Die Mehrzahl der Einwohner, die vorher Landwirtschaft betrieben hatte, fand einen Arbeitsplatz im nahen Hanau (Gold- und Silberschmiede) oder arbeitete auch in ortsansässigen Kleinbetrieben. Die Kleinbahn, die 1896 eingeweiht wurde und Hanau mit Rückingen und Langendiebach verband, trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung unserer Orte bei. Eine ganze Reihe von Vereinen gründete sich im 19. Jahrhundert und konnte in unserer Zeit schon ein hundertjähriges Jubiläum feiern (Gesangvereine, Feuerwehr, Raiffeisen, Turn- und Sportverein).

Der Flugplatz, der heute für die Gemeinde eine starke Belastung darstellt, wurde 1939 eingeweiht. In dieser Zeit des Dritten Reiches wurden auch aus den Gemeindeteilen viele jüdische und andere Mitbürger deportiert, wenn ihnen die Flucht oder Auswanderung nicht gelangen. Einige davon überlebten den Nazi-Terror nicht.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die beiden Orte nicht zerstört und hier fanden nach dem Großangriff auf Hanau (19. März 1945) die Ausgebombten eine erste Unterkunft. Ebenso nahmen nach dem Zweiten Weltkrieg beide Gemeinden viele Heimatvertriebene auf, so daß Langendiebach und Rückingen immer größer wurden. Neue Baugebiete wurden ausgewiesen und beide Gemeinden wuchsen aufgrund der Ausdehnung immer mehr zusammen. Gemeinsame Vorhaben - eine Kläranlage und die heutige Gesamtschule - brachten die selbständigen Gemeinden auch kommunal- politisch näher, so daß sie sich am 1. Januar 1970 zur Gemeinde Erlensee zusammenschlossen. Der Name der neuen Gemeinde orientierte sich an örtlichen Gemarkungsbezeichnungen und drückt sich auch in dem entsprechenden Ortswappen aus: Erlen und See.

In Erlensee konnten von nun an größere Einrichtungen für die Bürger geschaffen werden. Es entstanden u. a. das Rathaus mit Geschäfts- und Bankenzentrum, das Hallenbad, das Sportzentrum, die Erlenhalle, der Neue Löwe und zwei Kindergärten. Auch die bei der Bevölkerung so beliebte Wasserburg wurde von der Gemeinde erworben und umgestaltet, und es wurde 1983 vom Geschichtsverein ein Heimatmuseum darin eingerichtet. Viele Bürger sind heute in zahlreichen Vereinen und Verbänden unseres Ortes tätig und gestalten so das Bild unserer Gemeinde aktiv mit.

Diese lebendige Arbeiterwohnsitzgemeinde mit über 11.000 Einwohnern, einer guten Infrastruktur und Verkehrsanbindung, bietet somit ihren Einwohnern in unmittelbarer Nähe mehrerer großer Städte heute viele Möglichkeiten zu leben, zu arbeiten und die Freizeit zu gestalten.

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