| Interessantes zu Strebitzko |
Strebitzko liegt in Niederschlesien ca. 60 km von Breslau entfernt im Kreis Militsch. Nach der Gebietsreform 1939 hieß der Ort Hochrode und nach dem 2. Weltkrieg Trzebicko. Es ist sehr schwer etwas über Strebitzko zu erfahren, weil die Ahnenforschung in Polen noch zeitintensiver für mich ist. Dennoch möchte ich hier eine kurze Geschichte zu Schlesien wiedergeben. Schlesien trägt seinen Namen nach dem wandalischen Stamm der Silinger, die um die Zeitenwende 500 Jahre lang das Land in Besitz haben. Nachdem um 400 n. Chr. der Großteil der Wandalen Schlesien verlassen hat, dringen am Ende des 6. Jahrhunderts von Süden und Osten her Slawen ein. Im 9. Jahrhundert gelangt Schlesien unter die Herrschaft der Böhmen; Wratislaus I. gründet Breslau (Wratislawia). Als im 10. Jahrhundert die nördlich wohnenden Slawenstämme durch Misika geeint werden, wird Schlesien gegen Ende des Jahrhunderts von Misika und Boleslaw Chrobry erobert. Um das Jahr 1000 wird das Bistum Breslau gegründet, das bis zum Jahre 1930 auch Berlin einbezog. Im Jahre 1146 erkennt Wladislaw II. die deutsche Lehnshoheit an. 1163 übernehmen die beiden Söhne des 1146 vertriebenen Wladislaw als Herzöge Nieder- und Oberschlesien. Mit ihnen, die 17 Jahre in Deutschland gelebt hatten, beginnt die Geschichte des deutschen Schlesiens. In den Zeitraum etwa von 1200-1350 fällt die deutsche Rückwanderung und Kolonisation; 63 Städte und gegen 1500 Dörfer werden nach deutschem Recht gegründet; große Klöster entstehen. Unter Heinrich I., dessen Gemahlin Hedwig von Andechs und Meran 1267 heilig gesprochen und seitdem Schutzheilige Schlesiens, wird die Lösung vom polnischen Reich stärker. Beim Einbruch der Mongolen im Jahre 1241 stellt sich Heinrich II., der Fromme, mit einem Heer von Rittern, Bürgern und Bauern der gewaltigen Übermacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz entgegen. Heinrich II. fällt ebenso wie der Landmeister des zu Hilfe geeilten Deutschritterordens. In der Folgezeit wächst durch Erbteilungen die Zahl der Herzogtümer bis auf 18 an. Im Jahre 1327 erkennen Heinrich VI. von Breslau und die oberschlesischen Herzöge König Johann von Böhmen (aus dem Haus Luxemburg) als Lehnsherren an. Die meisten anderen schlesischen Herzöge folgen bald, König Kasimir III. von Polen verzichtet 1335 im Vertrag von Trentschin ,,für ewige Zeiten" auf Schlesien. Damit wird die schlesische Grenze festgelegt, die 600 Jahre Bestand gehabt hat und damit eine der ältesten Grenzen in Europa war. Zur Zeit Karls IV., der böhmischer König und deutscher Kaiser ist, wächst die Bedeutung der schlesischen Städte, insbesondere Breslaus, dessen große gotische Kirchen damals entstehen. Nach der Drangsalierung durch die Hussitenkriege wird 1469 Matthias Corvinus von Ungarn König von Böhmen und Herr von Schlesien. 1526 kommt Schlesien mit Böhmen unter die Habsburger. Das Land wird nicht mehr von Prag, sondern von Wien aus beeinflußt. Wie groß aber seine Selbständigkeit bleibt, zeigt die ungehinderte Ausbreitung der Reformation, ohne Erschütterung und ohne Bildersturm. Der Dreißigjährige Krieg schlägt dem Land tiefe Wunden, wenn auch z. B. Breslau unberührt bleibt. Nach dem Kriegsende verstärkt sich in Schlesien die Gegenreformation, was die geringe Zahl der drei den Evangelischen zugestandenen Friedenskirchen andeutet, zu denen erst 1707 durch den Vertrag Karls XII. von Schweden mit dem Kaiser in Altranstädt die sechs Gnadenkirchen treten. In der österreichischen Zeit entstehen die bedeutenden Barockbauten des Landes. Durch den ersten schlesischen Krieg (1740-1742) wurden der Großteil Schlesiens sowie die zu Böhmen gehörige Grafschaft Glatz preußisch, die Gebiete von Teschen, Troppau und Jägerndorf blieben bei Österreich (Österreichisch-Schlesien). 1815 wurde die Oberlausitz ein Teil Schlesiens. Verwaltungsbehörden waren die Kriegs- und Domänenkammern, die Breslauer auch für Oberschlesien, was zwangsläufig bei den großen Entfernungen sich nachteilig auswirken musste. 1815 wurden die Regierungen eingeführt, so auch die Regierung in Oppeln geschaffen. 1820 kam auch Kreuzburg dazu. In konfessioneller Beziehung wurde der Übergang von den Habsburgern zu den Hohenzollern von der evangelischen Bevölkerung Schlesiens freudig aufgenommen, da er nicht nur Freiheit der religiösen Tätigkeit, sondern auch Forderung brachte. Anders erging es dem katholischen Bevölkerungsteil. Sehr nachteilig wirkte sich die 1810 erfolgte sogenannte Säkularisierung, d. h. die Enteignung der im Besitz des Bischofs, des Domkapitels und von Klöstern befindlichen Besitzungen aus, wodurch die schlesischen Katholiken nicht nur materiell, sondern auch in geistiger Beziehung sehr geschädigt wurden. Vergiftend wirkten auch der sogenannte Mischehenstreit von 1837, (die vom Staate verordnete Regelung, dass in Mischehen die Kinder in der Religion des Vaters, d.h. in der Praxis im evangelischen Bekenntnis, zu erziehen seien), sowie der Kulturkampf des nach 1870 in Preußen und im Deutschen Reich durchgeführte Kampf des Staates gegen die katholische Kirche. Das war besonders verhängnisvoll in Hinsicht auf die nach dem ersten Weltkrieg durchgeführte Abstimmung in Oberschlesien. Hier war im 19. Jahrhundert ein völliger Wandel durch die Industrialisierung eingetreten. Dadurch waren naturgemäß auch große soziale Spannungen entstanden. Diese und die für die überwiegend katholische Bevölkerung Oberschlesiens negative Entwicklung der konfessionellen Verhältnisse waren naturgemäß für die polnische Propaganda eine willkommene und auch entsprechend genutzte Grundlage der Beeinflussung der Abstimmungsberechtigten. Gleichwohl stimmten am 20. März 1921 rund 60 Prozent von ihnen für Deutschland. Insbesondere auf Betreiben Frankreichs, das die Deutschen schwächen wollte, wurde Oberschlesien trotzdem geteilt. Der wertvollste Teil des oberschlesischen Industriegebietes wurde Polen zugesprochen. Gleichwohl gelang es, den Rest Oberschlesiens auszubauen. Der zweite Weltkrieg machte dieser günstigen Entwicklung ein Ende. Von den 1939 (Volkszählung) in den schlesischen Regierungsbezirken Liegnitz, Breslau und Oppeln ansässigen 4,6 Mio. Menschen kamen 280.000 als Soldaten in Krieg oder Kriegsgefangenschaft um, 3,2 Mio. wurden 1945/47 aus der Heimat gewaltsam vertrieben oder nach vorheriger Flucht an der Rückkehr gehindert, 387.000 gelten als Nachkriegsverluste, also als ermordet, in Lagern verhungert, in der sowjetischen Verschleppung umgekommen oder vermisst (Statistisches Bundesamt 1958). Die Deutschen Ost-Oberschlesiens sind hierbei nicht einmal erfasst; sie hatten besonders hohe Zivilverluste. Die (vor allem) in (Ober-) Schlesien zurückgehaltene deutsche Volksgruppe zählte um 1950 rd. 900.000 Menschen und somit damals wie bis heute weit über 90% der im polnischen Hoheitsbereich lebenden Deutschen. In der Volksrepublik Polen wurden sie massiv unterdrückt und als sog. Autochthone (germanisierte, nun zu repolonisierende Urbevölkerung) ständigem Assimilationsdruck ausgesetzt. Der Gebrauch der deutschen Sprache blieb lange verboten. Die polnischen Neusiedler, die in die Häuser der Vertriebenen einzogen, waren entgegen einer weitverbreiteten Meinung weder in Schlesien noch in anderen deutschen Ostprovinzen überwiegend selber Vertriebene aus den an die UdSSR abgetretenen polnischen Gebieten, sondern sie stammten etwa zu 2/3 aus Zentralpolen. Erst nach dem Ende der Kommunistenherrschaft 1989/90 konnten die Deutschen sich wieder artikulieren, Vereine gründen und offen Verbindung mit den vertriebenen Landsleuten im Westen aufnehmen. Doch die große Aussiedlungsbewegung der Jahre 1988-91, als rd. 540.000 Menschen die Republik Polen als deutsche Aussiedler bzw. deren Angehörige verließen, blieb nicht ohne Folgen. Heute lebt noch etwa ½ Mio. Deutscher in der Republik Polen, die große Mehrheit davon in den seit 1997 bestehenden Wojwodschaften Niederschlesien (Dolny Slask), Oppeln und Schlesien ( Slask; de facto Ost-Oberschlesien). In der Wojwodschaft Oppeln stellen sie ein gutes Drittel der Bevölkerung. Die vertriebenen 3,6 Mio. Schlesier hatten bis 1950 zu 2/3 Aufnahme in den westlichen Besatzungszonen, zu 1/3 in der SBZ, der späteren DDR Aufnahme gefunden. Als 1970 zum letzten Mal bei einer Volkszählung der Vertriebenenstatus erfragt wurde, ergab sich, daß von den vertriebenen Schlesiern und ihren Nachkommen eine Million in NRW, über 600.000 in Niedersachsen, 460.000 in Bayern, fast 200.000 in Hessen usw. lebten. |





